Ein Notgroschen ist das finanzielle Fundament. Nicht wegen Zinsen, nicht wegen Rendite – sondern weil unerwartete Ausgaben kommen. Die Waschmaschine geht kaputt, das Auto braucht eine Reparatur, ein Zahn muss gezogen werden, oder einer von euch verliert kurzfristig den Job. Wer kein Puffer hat, greift zum Dispo, löst Sparverträge auf oder macht Schulden. Beides kostet mehr als die Ausgabe selbst.
Für Familien mit einem Kind gilt das in besonderem Maß: Die monatlichen Fixkosten steigen mit Kita, Krankenversicherung, Wohnung und Ernährung auf einen Betrag, der bei einem Einkommensausfall schnell nicht mehr gedeckt ist. Als Alleinverdiener-Haushalt fällt dabei das gesamte Familieneinkommen auf eine Person – ein Puffer ist hier keine Kür, sondern Pflicht.
Wie viel Notgroschen braucht eine Familie?
Die Faustregel lautet: drei bis sechs Netto-Monatsausgaben, flüssig verfügbar. Für Familien mit Kind empfehlen wir eher die obere Grenze, aus drei Gründen:
- Kinder verursachen ungeplante Ausgaben: Zahnarzt, kaputte Brille, kurzfristige Betreuungslücke, Nachhilfe.
- Als Elternpaar ist die Krankenversicherungssituation in der Elternzeit oft kurzfristig komplex. Wer in Elternzeit ist und Krankengeld braucht, weiß, dass Bürokratie Zeit kostet.
- Wenn ein Einkommen das gesamte Familienleben trägt, braucht der Ausfall dieses Einkommens eine längere Abfederungszeit – sechs Monate sind realistischer als drei.
Euer Notgroschen-Richtwert
Ein Beispiel: Eine Familie mit 3.200 Euro monatlichen Fixkosten braucht bei sechs Monaten Puffer 19.200 Euro, die jederzeit abrufbar sind. Das klingt nach viel. Es ist aber der Betrag, der sechs Monate Grundbedarf abdeckt, falls das Einkommen wegfällt oder eine unerwartete große Ausgabe kommt.
Wo parkt ihr den Notgroschen?
Das Girokonto ist die schlechteste Wahl. Keine oder minimale Zinsen, kein mentaler Abstand zum Alltagsgeld – der Betrag schrumpft unmerklich durch Spontanausgaben. Der Notgroschen sollte auf einem separaten Konto liegen, das klar für diesen Zweck reserviert ist.
Die beste Option für einen Notgroschen ist das Tagesgeldkonto. Die wichtigsten Eigenschaften:
Ihr kommt jederzeit an euer Geld heran, ohne Kündigungsfristen oder Abzüge. Genau das, was ein Notgroschen leisten muss.
Tagesgeldkonten bieten derzeit 2,0 bis 3,5 % Zinsen pro Jahr. Auf 19.000 Euro sind das 380 bis 665 Euro im Jahr, die ihr auf dem Girokonto nicht bekämt.
Alle deutschen und EU-Banken sichern Einlagen bis 100.000 Euro pro Person über die gesetzliche Einlagensicherung ab. Euer Notgroschen ist sicher.
Der Zinssatz kann sich jederzeit ändern. Das ist kein Problem für einen Notgroschen (ihr wechselt im Notfall einfach), aber kein Instrument für langfristiges Sparen.
Festgeld: nicht für den Notgroschen
Festgeld bietet oft höhere Zinsen als Tagesgeld, weil ihr das Geld für eine feste Laufzeit (3, 6, 12 oder 24 Monate) bindet. In dieser Zeit kommt ihr nicht daran heran – oder nur mit Verlust.
Für den Notgroschen ist Festgeld deshalb ungeeignet. Ihr wüsst nicht, wann ihr das Geld braucht. Wenn die Heizung im Januar kaputtgeht und euer Festgeld erst im März ausläuft, habt ihr ein Problem.
Sinnvoll ist Festgeld als zweite Stufe: Habt ihr euren Notgroschen vollständig auf Tagesgeld aufgebaut und möchtet darüber hinaus sparen, könnt ihr einen Teil in Festgeld anlegen. Aber die Reserve selbst bleibt auf dem Tagesgeldkonto.
Wie weit sind Tagesgeld-Zinsen in 2026?
Nach den Zinserhöhungen der EZB in den Jahren 2022–2023 und anschließenden Zinssenkungen 2024–2025 hat sich das Tagesgeld-Niveau bei vielen Anbietern zwischen 2,0 und 3,5 % eingependelt. Die besten Angebote kommen häufig von Direktbanken und ausländischen Instituten mit EU-Einlagensicherung.
Zwei Dinge, die ihr beim Vergleich beachten solltet:
- Aktionsangebote vs. Dauerzins: Viele Banken locken mit hohen Einstiegszinsen für drei oder sechs Monate, die danach deutlich sinken. Schaut euch den Dauerzins an, der nach der Aktionsphase gilt.
- Konditionen für Neukundschaft: Manche Top-Zinsen gelten nur für Neukunden oder bis zu einem bestimmten Betrag. Prüft, ob der Zins für euren gesamten Notgroschen gilt.
Tagesgeld im Vergleich
Die Konditionen unterscheiden sich bei Zinssatz, Einlagensicherung, App-Bedienbarkeit und Kontoführungsgebühren. Der Vergleich zeigt aktuelle Angebote:
Gemeinsamer oder getrennter Notgroschen als Paar?
Eine Frage, die Paare selten explizit klären. Unsere Empfehlung: ein gemeinsamer Notgroschen für den gemeinsamen Haushalt, ergänzt durch kleine individuelle Puffer für persönliche Ausgaben.
Grund: Der gemeinsame Notgroschen muss gemeinsame Fixkosten abdecken – Miete, Kita, Versicherungen. Das funktioniert nur, wenn das Geld gemeinsam verfügbar ist. Zwei separate kleine Puffer, von denen keiner für die Miete ausreicht, helfen im Ernstfall nicht.
Wenn ihr das Drei-Konten-Modell nutzt (gemeinsames Konto für Haushalt, persönliche Konten für Einzelausgaben), bietet sich an: Tagesgeldkonto am gemeinsamen Girokonto, mit beiden als Kontoinhaber oder mit Vollmacht. Beide können im Notfall zugreifen.
Wann hört das Auffüllen auf – und was dann?
Habt ihr euren Ziel-Notgroschen erreicht, hört das monatliche Sparen in diese Reserve auf. Das Geld, das ihr bisher dafür verwendet habt, kann in Anlageformen mit besserer Rendite fliessen: ETF-Sparplan, Kinderdepot, zusätzliche Altersvorsorge.
Wichtig: Den Notgroschen nach einer Entnahme wieder auffüllen, bevor ihr in höhere Risiken geht. Wer 8.000 Euro aus dem Notgroschen für eine Autoreparatur entnimmt, füllt zunächst diesen Betrag wieder auf, bevor der Sparplan erhöht wird.
Ein Tagesgeldkonto als reine Reserve zu haben, ist dauerhaft richtig. Zinsen mitnehmen, Reserve behalten, im Notfall zugreifen. Das Geld dort arbeitet zwar nicht maximal, aber es schützt alles andere davor, im schlimmsten Moment aufgelöst werden zu müssen.
Eure Schritte zum fertigen Notgroschen
Miete oder Hypothek, Nebenkosten, Lebensmittel, Kita, alle Versicherungen, Mobilität, Abos. Nicht Wunschdenken, sondern was ihr wirklich ausgebt.
Für Familien: 5–6 Monatsausgaben. Für Alleinverdiener-Haushalte: eher 6. Den Rechner oben nutzen.
Separates Konto, explizit für die Reserve. Keinen spontanen Zugriff für Alltagseinkäufe einrichten – die mentale Trennung ist wichtig.
Fester Betrag jeden Monat auf das Tagesgeldkonto, bis der Zielbetrag erreicht ist. Danach den Dauerauftrag stoppen oder in ETF umlenken.
Fixkosten steigen mit Kind. Wer vor drei Jahren 3.000 Euro monatlich ausgegeben hat und heute 4.000, braucht auch einen höheren Notgroschen.
Dieser Artikel gibt allgemeine Orientierung und ersetzt keine Finanzberatung. Zinsen und Konditionen können sich ändern. Die Vergleichslinks sind Affiliate-Links – für euch entstehen keine Mehrkosten. Stand 2026.